Beratungsbrief Nr. 5
Der BankStrategieBerater - Auf Augenhöhe mit der Bank
Ausgabe 5 von 12  
 
     
  Sehr geehrte Frau Kreh,

Das eigene Rating – ein Buch mit sieben Siegeln?

Für viele ist das eigene Rating vor allem ein großes Rätsel. Der Bankberater Saldo Dispo hat dieser Tage sogar erfahren müssen, dass so mancher Bankkunde sehr viel verschwörerischen Eifer dahinter vermutet.

Doch so geheim ist die Sache überhaupt nicht: Dieser Beratungsbrief verrät, wie die Bank das Rating erstellt, was dafür maßgeblich ist und welche Bedeutung es insge-
samt hat. Der Impulscheck am Ende gibt Ihnen wichtige Ratschläge zum Umgang mit dem eigenen Rating.

Viel Spaß beim Lesen!

Willi Kreh
Der BankStrategieBerater
 
     
 
     
  Lesen Sie in dieser Ausgabe:
 
     
 
- Saldo und die Detektive
- Rating: Mystifizierung unerwünscht
 
     
 
     
  Saldo und die Detektive

Gestatten? Saldo Dispo. Ich bin Spaßversteher. Deshalb arbeite ich auch in der Bank,
denn da bleibt kein Auge trocken. Ganz besonders dann, wenn es darum geht, sein
eigenes Rating in Erfahrung zu bringen...

Die Bank ist ein fantastischer Ort, das habe ich schon immer gewusst. Sie beflügelt die Fantasie, ganz besonders die von manchen Kunden, die einfach nur mal so ihr Rating wissen wollen.

Champagner zum Frühstück, Schokolade auf dem Schreibtisch oder einfach nur mal eine Einladung zum Abendessen. Damit probieren es die Gutmenschen.

Dann gibt es aber auch den Typ Detektiv. Der heftet sich an deine Fersen, taucht plötzlich überall auf, wo du auch bist, lauscht und ist aufmerksam. Beinahe wie ein Schatten mit ganz großen Ohren.

Anstrengender ist der Wichtigtuer. Der betont bei jeder passenden und passenden Gelegenheit, wie gut er vernetzt ist und dass er das ja auch gewinnbringend für dich zum Einsatz bringen könnte.

Aber es gibt auch den Fiesling. Der schimpft, droht und beschwert sich beim Chef. Wirklich unangenehm, so was. Und dann der Liebkoser: Der nimmt einen gerne in den Arm, ist zotig und man kann ihn oft nur mit Mühe vom Bruderkuss abhalten.

Manchmal frage ich mich schon, womit ich all diese Wertschätzung verdient habe.
Denn schließlich ist das Rating überhaupt kein Geheimnis.

Richtig freuen würde ich mich, wenn ich es meinen Kunden nicht nur anvertrauen dürfte, sondern vielleicht auch noch gemeinsam mit ihnen darüber reden könnte, wie wir es verbessern können.

Aber schade wäre es eigentlich schon um die vielen schönen Versuche, dem Rating mit der etwas anderen Art auf die Spur zu kommen. Schließlich bin ich doch immerhin Spaßversteher!
 
     

     
  Rating: Mystifizierung unerwünscht

Das Rating ist eine wichtige Größe bei der Kreditvergabe und definiert maßgeblich, zu welchen Konditionen ein Kunde einen Kredit bekommt. Mit der richtigen Strategie kann der Kreditnehmer gezielt auf ein besseres Rating hinwirken, um sich so erhebliche finanzielle Vorteile zu sichern.

Zwei Fragen sind für einen Kreditnehmer am Ende entscheidend. Erstens: Bekomme ich den beantragten Kredit? Und zweitens: Zu welchen Konditionen bekomme ich ihn? Letzteres hängt maßgeblich vom eigenen Rating ab.

Mit dem Rating bewertet die Bank in erster Linie die Kreditwürdigkeit, also die Bonität eines Unternehmens. Das Rating ist jedoch weit mehr als ein statistischer Wert, sondern wirkt sich ganz konkret aus.

Ein gutes Rating bedeutet, dass die Bank weniger als 8 Prozent des Eigenkapitals für den Kredit nachweisen muss. Und das macht sich für den Kreditnehmer in Heller und Pfennig bezahlt. Wenn etwa bei einem Kredit von 200.000 Euro ein günstiges Rating dazu führt, dass die Bank dem Kunden einen Zinssatz von 5, 5 Prozent anstatt von
7 Prozent berechnet, kommt das einer Ersparnis von 3.000 Euro pro Jahr gleich. Ein Faktor, der sich in fünf Jahren schon auf 15.000 Euro summiert.

Für das Rating prüft die Bank sowohl quantitative als auch qualitative Aspekte. Dazu nimmt sie die wirtschaftlichen Verhältnisse, das Management, die Unternehmens-
entwicklung sowie die Branche des Kreditnehmers, aber auch seine Beziehung zur Bank, unter die Lupe.

Im Endeffekt pendelt die Bank beim Erstellen des Ratings also immer zwischen verhältnismäßig harten und weichen Polen hin und her. Vermögens-, Finanz- oder Ertragslage auf der einen Seite stehen etwa Unternehmensaufbau, Risikomanagement oder Image auf der anderen Seite gegenüber.

Aus all diesen Teilaspekten formt die Bank ein Gesamtbild, das die Stärken und Schwächen eines Kreditnehmers fast wie eine Schulnote auf den Punkt bringt. Die Bank will so einen Wert erreichen, der beschreibt, mit welchem Eifer der Kreditnehmer seinen Zins- und Tilgungsverpflichtungen nachkommt.

Darüber hinaus will die Bank einschätzen, ob sich das Unternehmen anpassen und weiterentwickeln kann. Mit welcher Strategie geht das Unternehmen zum Beispiel zu Werke? Oder wie ist es um die Liquiditätsplanung bestellt. All das spielt beim Rating eine Rolle und schlägt sich entsprechend nieder.

Damit das Rating Aussagekraft bekommen kann, muss es auch in einem vernünftigen Zeithorizont durchgeführt werden: Üblicherweise handelt es sich dabei um ein Jahr. Das heißt zunächst, dass sich das Rating zum Guten wie zum Schlechten verändern kann. Der Kreditnehmer hat hier also eindeutig die Möglichkeit, die Dinge positiv für sich zu gestalten.

Dazu muss er aber vor allem selbst aktiv werden. Das beginnt damit, Sorge dafür zu tragen, dass der Bank die richtigen Unterlagen vorliegen. Dazu gehört neben dem letzten Jahresabschluss die Planungsrechnung für das laufende Jahr mit einem monatlichen Soll-Ist-Abgleich und für das kommende Jahr quartalsweise aktualisiert. Hinzukommen sollte ferner ein Organigramm mit den Profilen der Führungskräfte
sowie vertragliche Regelungen, die für die Bank von Belang sind. Aber auch eine ansprechende Präsentation des Unternehmens mit einem ausformulierten Strategiekonzept sowie eine Betrachtung des Marktsegments sollte ein solches Unterlagenportfolio enthalten.

Positiv setzt sich der Unternehmer bei der Bank außerdem ins Bild, wenn er deutlich macht, dass er auch die weichen Faktoren des Ratings ernst nimmt und Klarheit über seine persönlichen und unternehmerischen Ziele demonstriert.

Die Bank goutiert es ihrerseits, wenn sie eine umfassende Dokumentation vorliegen hat und zeitnah über Bilanzen ins Bild gesetzt wird. Es sind solche Aspekte, die für die Bewertung der Kundenbeziehung entscheidend sind. Dazu kommt aber natürlich auch, ob der Kreditnehmer gegebene Zusagen einhält oder sich an die vereinbarte Kreditlinie hält.

Auf den Punkt gebracht bedeutet dies für den Unternehmer: Es gilt, durch Kontinuität dafür zu sorgen, dass keine Fragezeichen und Leerstellen die vorhandenen Gestaltungsspielräume ausfüllen.

Der Umgang mit dem eigenen Rating

Das Rating verstehen:
Es bewertet nicht die Geschäftsidee, sondern die darunterliegende Bonität
Das Rating ist keine Geheimsache:
Aktiv nachfragen ist nicht nur erlaubt, sondern erwünscht
Kritikfähigkeit zeigen:
Emotionale Ausbrüche sind bei einem mäßigen Rating nicht förderlich
Konstruktivität demonstrieren:
Gemeinsam mit dem Berater überlegen, wie man das
eigene Rating verbessern kann
Nicht in Aktionismus verfallen:
Statt gleich am nächsten Tag mit einem Maßnahmenplan um die Ecke zu kommen, ist es besser, sich saubere Gedanken über zielführende Veränderungen zu machen
 
     


     
  Kontakt

Willi Kreh Steuerberater und BankStrategieBerater ...für Unternehmer, die noch selbst zur Bank gehen

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